Yvonne Wagner ist neue Leitung im Fachbereich Beratung & Wohnen
1. April 2026
Naturverbundene Pädagogin, Psychologin und Soziologin gibt Wohnungslosen eine Stimme
Yvonne Wagner(47 J.), neue Leiterin im Fachbereich Beratung & Wohnen
Frau Wagner, erzählen Sie ein wenig über sich – welche Ausbildung haben Sie?
Ich habe in Göttingen Pädagogik sowie Wirtschafts- und Sozialpsychologie und Soziologie studiert. Schon während des Studiums arbeitete ich in der Rehabilitation für psychisch kranke Jugendliche – erst im Praktikum und später als studentische Hilfskraft.
Wie führte Sie Ihr Weg zum Diakoniewerk – und was waren hier konkret Ihre Stationen?
Ursprünglich komme ich vom Niederrhein, aus Rheinberg. Und nach dem Studium wollte ich wieder zurück in die Region. So habe ich zunächst in einem Projekt für junge Erwachsene gearbeitet, dem sogenannten Jobcamp, und bin darüber in Kontakt mit dem Diakoniewerk gekommen. Dort hatte ich zuerst einen befristeten Vertrag und bin dann hiergeblieben. 2007 habe ich im Bereich Arbeit und Ausbildung angefangen und habe dort über zehn Jahre gearbeitet. In dieser Zeit war ich in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt und habe auch verschiedene Betriebsstätten betreut. Dadurch kenne ich viele Kolleginnen und Kollegen im Diakoniewerk. 2018 bin ich in die Wohnungslosenhilfe gewechselt – für mich eine spannende Aufgabe. Seit Dezember 2019 bin ich Einrichtungsleitung im GSL, also im Gruppenorientierten Sozialen Lebenstraining. Und aktuell übernehme ich zusätzlich die Fachbereichsleitung Beratung und Wohnen – das kommt dann noch on top. (lacht)
Wo sehen Sie die Herausforderungen bei Ihrer Arbeit in der Wohnungslosenhilfe?
Das Wesentliche ist: Wir sind Chancengeber. Wir machen Türen auf und können Wege zeigen. Ob jemand diesen Weg geht, entscheidet er selbst. Wir können die bestmöglichen Bedingungen schaffen – personell, im Wohnraum, in der Begleitung. Aber nicht jeder ist schon so weit, diesen Weg auch zu gehen. Manche brechen ab oder gehen wieder zurück auf die Straße. Das müssen wir dann akzeptieren. Eine weitere Herausforderung ist, dass wir wirtschaftlich arbeiten müssen. Wenn jemand zum Beispiel keine Miete zahlt, müssen wir prüfen, wie es weitergeht – auch wenn wir die persönlichen Hintergründe kennen. Das sind oft schwierige Entscheidungen. Viele Themen lassen sich gut bewältigen, weil die Angebote solide aufgestellt und refinanziert sind. Schwieriger sind tatsächlich häufig die individuellen Fälle – zum Beispiel, wenn Abläufe bei der Ausländerbehörde sehr lange dauern und dadurch Leistungen nicht rechtzeitig bewilligt werden oder Zahlungen vom Jobcenter ausbleiben. Das wirkt sich direkt auf die Menschen aus, die wir begleiten. Gleichzeitig müssen wir im Blick behalten, wie wir unsere Angebote weiterentwickeln.
Haben Sie schon konkrete Pläne und Wünsche für die Zukunft Ihres Fachbereichs?
Die bestehenden Konzepte sind gewachsen und funktionieren gut, aber wir müssen prüfen, wie sie künftig angepasst werden können – auch vor dem Hintergrund knapper werdender öffentlicher Mittel. Ich bin ja ganz neu in der Funktion und möchte mir da nicht anmaßen, schon zu wissen, was besser gehen muss. (lacht) Mir ist wichtig, mir erst einmal einen guten Überblick zu verschaffen und gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen zu schauen, was sinnvoll ist. Ich möchte die Menschen mitnehmen und zusammen etwas entwickeln, das für die Zukunft tragfähig ist.
Was macht Ihnen bei Ihrer Arbeit Freude – auch vor dem Hintergrund, dass das Diakoniewerk ein Unternehmen der evangelischen Kirche ist?
Was mir Spaß macht, ist, dass wir wirklich etwas bewirken können. Wir unterstützen Menschen dabei, wieder einen Weg für sich zu finden – und wenn das gelingt, ist das sehr erfüllend. Und ich erlebe hier im Diakoniewerk ein starkes Miteinander. Die Kolleginnen und Kollegen arbeiten mit viel Engagement und Motivation – man hat ein gemeinsames Ziel. Für mich bedeutet das vor allem, dass Nächstenliebe hier wirklich gelebt wird. Wir setzen uns für die Menschen ein, unterstützen sie und stehen auch für ihre Rechte ein. Gerade für diejenigen, die selbst kein Sprachrohr haben. Ich sehe uns da als Bindeglied – wir beraten, begleiten und helfen dabei, wieder Teil der Gesellschaft zu werden.
Mit Ihrer Familie leben Sie in Rheinberg, Ihre Söhne sind heute 17 und 15 Jahre alt – wie entspannen Sie? Gibt es Hobbys?
Ich bin am liebsten in der Natur unterwegs. Spazieren gehen, reiten oder auch Yoga – das hilft mir, runterzukommen. Wir haben auch einen Hund, einen schwarzen Großspitz, und ein Pony, das wir selbst aufgezogen haben. Das gehört für mich einfach dazu und ist ein guter Ausgleich zum Alltag. Früher sind meine Söhne auch geritten, inzwischen reite nur noch ich. Es hat sich alles ein bisschen verändert – aber für mich bleibt es ein schönes Hobby.
Rheinberg ist ja eher ländlich – an was denken Sie, wenn Sie an Duisburg denken?
An viel Verkehr. Und ehrlich gesagt auch an einen etwas aggressiveren Fahrstil. Wenn da beim Reißverschlussverfahren noch einer reinpasst, wird auch die kleinste Lücke auch genommen. (lacht) Sie haben mir übrigens noch nicht nach meinem Lebensmotto gefragt…
Haben Sie eines?
Aber klar. „Et hätt noch emmer jot jejange.“ Oder: Das Glas ist immer halb voll – ein halb leeres Glas gibt es für mich nicht. Da bin und bleibe ich Optimistin.
Text: Silke Vogten
Wir sind für Sie da!
Diakoniewerk Duisburg GmbHPaul-Rücker-Str. 7
47059 Duisburg