Diakonie sucht Ehrenamt

Auch in Zeiten des Coronavirus ist das Engagement Ehrenamtlicher für Hilfsbedürftige unverzichtbar. Das Jahrbuch der Duisburger Diakonie zeigt das in 20 Ehrenamtsgeschichten. In diesem Beitrag geht es um Hussein Kousa, ehrenamtlicher Dolmetscher für die Flüchtlingshelfer der Grafschafter Diakonie.

Ich helfe, wie mir andere geholfen haben

„Als ich hier ankam, konnte ich nur Kurdisch und Arabisch“, erzählt Hussein Kousa in einwandfreiem Deutsch. Beim Lernen der fremden Sprache ist der heute 23-Jährige damals autodidaktisch vorgegangen: Buchstabe für Buchstabe mit deutschen Texten und einem Wörterbuch. Dazu YouTube-Videos auf dem Smartphone. „Außerdem habe ich versucht, mich hier mit den Leuten zu verständigen. Der Kontakt mit den Deutschsprachigen hat viel gebracht.“

Im Jahr 2015 kam Kousa mit seiner Mutter und zwei seiner sechs Geschwister in Deutschland an. Das Leben im Stadtteil Afrin der syrischen Metropole Aleppo war während des Krieges immer gefährlicher geworden. Zunächst fand die Familie in einer Unterkunft in einem kleinen Dorf bei Bielefeld Aufnahme. Einige Wochen später ging es weiter nach Duisburg-Rheinhausen.

Erst ein halbes Jahr später beginnt der Sprachkurs, mit dem der junge Mann mit syrischem Abitur die Fremdsprache Schritt für Schritt weiter erlernt. Und wieder sechs Monate später beherrscht er sie so gut, dass ihn Mitbewohner aus der Unterkunft für Geflüchtete an der Rheinhauser Franz-Schubert Straße um seine Hilfe bitten. Arabisch-Deutsch, Deutsch-Arabisch und Kurdisch – Kousa dolmetscht regelmäßig für die Flüchtlingshelfer der Grafschafter Diakonie, dem Diakonischen Werk im Kirchenkreis Moers, und für seine Mitgeflüchteten. In seiner Freizeit begleitet er sie zum Arzt, zum Jobcenter, zur Ausländerbehörde, übersetzt Schriftstücke deutscher Ämter ins Arabische. Oft hängt er sich in der Mittagspause des Friedrich-Albert-Lange-Berufskollegs ans Smartphone, um Termine zu organisieren.

Warum er seine freie Zeit in das freiwillige Engagement investiert? „Ich habe am Anfang selbst die gleiche Unterstützung erlebt. Eine sehr liebe Ehrenamtliche hat mich und meine Familie bei Ämtern, Ärzten und allen Fragen unterstützt. Das hat sehr geholfen.“ Eine Unterstützung, die auf Vermittlung der Flüchtlingshilfe der Grafschafter Diakonie zustande kam. Durch den nahen Kontakt mit den Fachkräften im Stadtteilzentrum Regenbogenhaus ergaben sich für den jungen Syrer weitere Ehrenämter. Zusammen mit der ganzen Familie engagierte er sich bei Ferienangeboten für geflüchtete Kinder. „Wir haben Spiele angeboten und mein Bruder, der eine Ausbildung zum Friseur macht, einen Stylingworkshop“, erinnert er sich. Nach und nach standen bei den geflüchteten Familien Umzüge in eigene Wohnungen an. „Da hat Hussein spontan mit angefasst, wenn Waschmaschinen transportiert oder zusammen mit anderen Ehrenamtlichen gebrauchte Küchenzeilen angepasst werden mussten, und auch der Rest der Familie war oft mit dabei, wenn Unterstützung nötig war“, erinnert sich Alina Morbitzer, Fachkraft der Grafschafter Diakonie.

Aktuell steht für Hussein Kousa wieder das Thema Lernen im Vordergrund. Nach Abschluss des Berufskollegs macht er eine Ausbildung zum Bauzeichner bei der Stadt Neuss. Dass er seit seinem Umzug in die Stadt seines Dienstgebers nicht mehr per Ehrenamt in Rheinhausen präsent sein kann, bedauert er. „Da ich neben der Ausbildung auch am Abend mein deutsches Abitur nachmache, habe ich nicht so viel Zeit“, sagt er. „Aber vielleicht kann meine Geschichte dem einen oder anderen in einer ähnlichen Situation Mut machen für den eigenen Weg in der neuen Heimat.“

Wer ehrenamtlich im Bereich der Diakonie mithelfen will, meldet sich bei Carmen Stanjohr, die gerne persönlich, aber derzeit auf Abstand telefonisch und per Mail informiert: 0203  29513164, stanjohr.carmen@diakonie-duisburg.de.

Das Bild zeigt Hussein Kousa im ehrenamtlichen Einsatz; Foto: Grafschafter Diakonie GmbH – Diakonisches Werk Kirchenkreis Moers

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