Aljoscha Liebert ist neue Leitung im Fachbereich Kinder, Jugend & Familie

1. April 2026

Theatermann mit einem Herz für Intensivpädagogik

Aljoscha Liebert (40 J.) ist seit dem 1.4.2026 neuer Leiter im Fachbereich Kinder, Jugend & Familie.

  1. Herr Liebert, Sie haben jetzt beinahe 20 Jahre Berufserfahrung in der Kinder- und Jugendhilfe. Wie kam es dazu?

Ich stamme aus einer Familie mit vielen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern. Mein Vater sagte einmal im Scherz: ‚Du kannst alles werden, aber bitte kein Pädagoge.‘ Gerade dieser Satz hat meinen Wunsch, diesen Weg einzuschlagen, eher noch bestärkt. Schon früh war mir wichtig, einen Beruf zu wählen, in dem ich gesellschaftlich etwas bewirken kann.

Direkt nach dem Zivildienst in einem Krankenhaus habe ich in Nimwegen Soziale Arbeit studiert. Dabei habe ich mich bewusst für ein duales Studium entschieden, um früh auch praktische Einblicke in die Jugendarbeit zu erhalten. Nach Stationen in die Jugendarbeit der Stadt Moers und bei der Lebenshilfe trat ich 2008 meine erste Stelle in einer Wohngruppe der evangelischen Jugendhilfe in Oberhausen an.

  1. Wie sind Sie zum Diakoniewerk Duisburg gekommen und wie hat sich Ihre Arbeit dort entwickelt?

Um mich fachlich weiterzuentwickeln, habe ich parallel zu meiner beruflichen Tätigkeit Sozialmanagement studiert. 2016 kam ich zur ambulanten sozialpädagogischen Familienhilfe im Diakoniewerk Duisburg. Drei Jahre später übernahm ich die Leitung der neu gegründeten Intensivwohngruppe in Kempen.

In der stationären Jugendhilfeeinrichtung „Scheifeshütte“ leben sieben Kinder im Alter von sechs bis 18 Jahren. Viele von ihnen begleite ich bereits seit der Eröffnung der Gruppe – also seit sieben Jahren. Dieser Arbeitsbereich hat sich in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt: Von 2023 bis 2025 haben wir vier weitere Intensivwohngruppen für Kinder und eine Einzelmaßnahme eröffnet.

Im Diakoniewerk engagiere ich mich außerdem in zentralen Arbeitsgruppen. So habe ich das berufliche Eingliederungsmanagement (BEM) mitkonzipiert und war mehrere Jahre selbst als BEM-Berater tätig. Auch bei der Erstellung eines Rahmenkonzeptes zum Schutz vor sexualisierter Gewalt habe ich als Projektleitung mitgewirkt.

  1. Was ist für Sie das Besondere an der Unternehmenskultur im Diakoniewerk?

Ein besonderes Merkmal ist für mich die gute Vernetzung innerhalb des Unternehmens. Davon profitieren sowohl die Mitarbeitenden als auch die Menschen, die wir begleiten.

Wenn beispielsweise in der Wohngruppe etwas repariert werden muss, können wir unkompliziert unsere Kolleginnen und Kollegen aus der Malerei und Schreinerei einbeziehen. Wenn Familien dringend Kleidung benötigen, unterstützt das Kaufhaus der Diakonie. Bei Fragen rund um Schulden oder Nachlassangelegenheiten steht uns die Schuldnerberatung beratend zur Seite.

Auch in praktischen Alltagssituationen zeigt sich diese Zusammenarbeit: Kürzlich standen wir vor einer Herausforderung bei der Reinigung eines Teppichs – eine Kollegin aus der Hauswirtschaft der Eingliederungshilfe konnte uns schließlich mit einem hilfreichen Tipp weiterhelfen. Diesen Zusammenhalt im Diakoniewerk schätze ich sehr. Die Kolleginnen und Kollegen unterstützen sich gegenseitig und übernehmen gemeinsam Verantwortung. Keiner sagt hier: ‚Ich bin dafür nicht zuständig.‘“

  1. Das Diakoniewerk Duisburg ist ein Unternehmen der evangelischen Kirche. Was bedeutet das für Sie/dich als Fachbereichsleitung?

Leitung in der Jugendhilfe bedeutet für mich, gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen, Kirche dort lebendig werden zu lassen, wo wir den Menschen begegnen. Unabhängig von Herkunft, Haltung oder Konfession gestalten wir jeden Tag einen Raum, in dem Kinder, Jugendliche und Familien Würde, Respekt und Nähe erfahren.

Unsere Arbeit ist gelebte Nächstenliebe – professionell, klar und getragen von gemeinsamen Werten. Und genau das macht uns sichtbar: in Netzwerken, in Kooperationen und überall dort, wo wir im Sozialraum Menschen stärken.

  1. Sie sind verheiratet und haben selbst drei Töchter im Alter von 5 bis 10 Jahren. Fällt es manchmal schwer, eine professionelle Distanz zu haben zu den Schicksalen der Kinder, die Sie betreuen?

Das Thema Nähe und Distanz begleitet mich bereits seit der Ausbildung und ist in unserer Arbeit sehr wichtig. Natürlich versuche ich, die beruflichen Belastungen nicht mit nach Hause zu nehmen. Gleichzeitig lässt sich nicht immer vermeiden, dass eine bestimmte Situation mich auch persönlich beschäftigt. Umso wichtiger sind regelmäßige Reflexion, kollegialer Austausch und professionelle Unterstützung im Team.

Für mich ist entscheidend, dass wir mit unserer Arbeit tatsächlich etwas bewirken können. Als Pädagoginnen und Pädagogen lernen wir nie aus. Ein Kind braucht Unterstützung bei der Trauerarbeit nach dem Verlust eines Elternteils, ein anderes Hilfe bei der Verarbeitung traumatischer Erfahrungen. Gerade in der Intensivpädagogik arbeiten wir häufig mit sehr komplexen Problemlagen und begrenzten Möglichkeiten – dabei behalten wir immer den Menschen und seine Entwicklung im Blick.

  1. Womit können Sie am besten entspannen? Haben Sie ein besonderes Hobby?

Seit meinem zehnten Lebensjahr spiele ich Theater – das ist bis heute mein großes Hobby geblieben. Bei der „bühne47 – Ketteler Spielschar Rheinhausen e.V.“ bin ich aktuell als Schauspieler und Regisseur aktiv und gehöre seit 2015 fest zum Ensemble.

In der Regel erarbeiten wir zweimal im Jahr ein neues Stück, die meisten Aufführungen finden in Duisburg statt. Als Verein organisieren wir alles selbst – vom Kulissenbau über die Probenarbeit bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit. Der Erlös unserer Vorstellungen wird für gemeinnützige Zwecke gespendet.

  1. Armut bei Kindern und Jugendlichen, fehlende Bildungschancen, zunehmende psychische Belastungen – die aktuellen Herausforderungen in Ihrem Arbeitsfeld sind groß. Wie führen Sie Ihren Fachbereich in die Zukunft?

Die Lebenslagen der Kinder und Familien, die wir begleiten, werden zunehmend komplexer. Wir beobachten eine wachsende Kinderarmut, häufige familiäre Konflikte sowie psychische Belastungen bei Eltern und Kindern. Gleichzeitig steigt die Konkurrenz zwischen den Trägern um qualifizierte Fachkräfte.

Mein Ziel ist es daher, den Fachbereich strategisch weiterzuentwickeln und unsere Angebote konsequent an den Bedürfnissen der Kinder und Familien auszurichten. Dazu gehört unter anderem der Ausbau spezialisierter und bedürfnisorientierter Angebote, beispielsweise für Kinder mit einer ADHS-Diagnose.

Gleichzeitig werden wir unsere bestehenden Arbeitsfelder regelmäßig überprüfen, erfolgreiche Projekte gezielt weiterentwickeln und unsere Ressourcen sinnvoll einsetzen. Bei allen Veränderungen bleibt es unser Anspruch, ein verlässlicher und professioneller Partner für die Kinder, Jugendlichen und Familien zu sein, die wir begleiten.

Text: Martina Mengede

Wir sind für Sie da!

Diakoniewerk Duisburg GmbH
Paul-Rücker-Str. 7
47059 Duisburg

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